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Autor: Maral Hanna-Luft

Knauf

Standort­entwicklung Neuruppin: Die Blau­pause für den System­bau von morgen

Wie Knauf Elements GmbH & Co. mit Fraunhofer IFF die Produktion von morgen gestaltet

Im Rahmen der Standortentwicklung am Produktionsstandort Neuruppin stellt sich die Knauf Elements GmbH & Co. KG einer zentralen Herausforderung: Wie lässt sich die Produktion von seriellen Architektur-Bauteilen zukunftsfähig gestalten?

Ziel ist ein tragfähiges, ganzheitliches Entwicklungskonzept, das nicht nur die Basis für eine wettbewerbsfähige Produktion vor Ort bildet, sondern auch als konzernweite „Blaupause“ dienen kann. Dafür müssen die Produktions-, Prozess- und Flächenanforderungen sowie die Auswirkungen auf Mitarbeitereinsatz, Automatisierung und Infrastruktur systematisch analysiert und neu geplant werden. Das Unternehmen beauftragte das Fraunhofer IFF daher mit einem Standortentwicklungskonzept.

Die Ausgangssituation beinhaltete einige Herausforderungen: Es fehlte eine durchgängige Datenbasis, zum Beispiel zu Prozessen, Durchlaufzeiten, Maschinenauslastung oder Flächennutzung. Als Grundlage für die Planung wurde daher das gesamte Werk per 3D-Scan erfasst und ein digitales Abbild in CAD und dem Fabrikplanungstool visTable erstellt. Parallel begannen manuelle Zeitaufnahmen durch die Mitarbeitenden, deren Ergebnisse in Excel ausgewertet und in Stammdaten für die Kalkulation überführt wurden.

Bild_copyright ©Fraunhofer IFF

Mit der Datenauswertung entstand ein erstes Dashboard zur Prozessanalyse. Optimierungspotenziale wie ineffiziente Abläufe, fehlende Automatisierung und nicht genutzte Kapazitäten wurden sichtbar. In einer Tiefenanalyse wurden technische Bedarfe identifiziert, Lösungen konzipiert und mit einer Kosten-Nutzen-Bewertung sowie ROI-Berechnung hinterlegt. Das Ziel: Reduktion der Durchlaufzeiten, Steigerung des Outputs und Schaffung der Voraussetzungen für eine flexible, automatisierte Produktion.

Dr. Stefanie Samtleben
Logistik- und Fabriksysteme, Gruppenleiterin Integrale Fabrikplanung
Kontaktdaten
Telefon +49 391 4090-124
stefanie.samtleben(at)iff.fraunhofer.de

Der Lösungsansatz

Gemeinsam mit dem Fraunhofer IFF wurde ein umfassendes Standortentwicklungskonzept erarbeitet:

  • 3D-Scan & Digitaler Zwilling

    Digitale Werksaufnahme zur Planung in CAD und visTable.

  • Zeitaufnahmen & Datengrundlage

    Manuelle Prozessdaten als Basis für Kalkulation und Analyse.

  • Dashboard & Prozessanalyse

    Visualisierung von Abläufen, Auslastung und Potenzialen.

  • Tiefenanalyse & Technologieplanung

    Lösungsentwicklung mit Kosten-Nutzen-Abwägung und ROI.

Weitere Projekte

  • AEL – IT-System-Auswahl

    Prozesse verbessern

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  • Frühzeitige energetische Optimierung von Anlagenkonzepten

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  • DigiFlexMont

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  • SWAP

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  • Intelligenter Prozesskran

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  • AutoDrohne

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  • Qualitätsprüfung von Gebäudemodulen

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  • NovaBIM

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  • Semiconductor-X

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  • Digitales Testfeld Elbe

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  • Digitalisierung von John Deere Werk

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energetische Optimierung von Anlagenkonzepten

Maximale Effizienz von Anfang an durch frühzeitige energetische Optimierung

Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein innovatives Planungstool entwickelt, das eine frühe energetische Bewertung von Anlagenkonzepten ermöglicht.

Dadurch können Planer bereits in frühen Phasen fundierte Entscheidungen treffen. Zum Beispiel können energieeffiziente Anlagenkonfigurationen gezielt optimiert werden.

Das Tool basiert auf dem Datenformat AutomationML. Herzstück dabei ist eine strukturierte, wiederverwendbare Datenbasis. Planer können damit den Energiebedarf von Anlagen präzise berechnen und verschiedene Produktionsszenarien flexibel einbinden. Ein interaktives Berechnungsmodul ermöglicht die Echtzeitbewertung und nahtlose Integration in die Anlagenplanung.

Das System ist besonders flexibel: Produktionsszenarien und Parameter lassen sich dynamisch anpassen, ohne dass starre Attributzuweisungen notwendig sind.

Zudem ermöglicht die standardisierte Abbildung von Anlagenstrukturen eine effiziente Dokumentation. Auch eine Wiederverwendbarkeit der Berechnungsergebnisse ist problemlos möglich.

Mit dieser leistungsfähigen Softwarelösung können Planungsvarianten schnell und effizient bewertet werden. So wird eine frühzeitige energetische Optimierung möglich. Langfristig kann dies zu einer erheblichen Reduzierung des Energieverbrauchs und der Betriebskosten führen.

Dipl.-Ing. Torsten Böhme
Menschzentrierte Arbeitssysteme
Kontakt
+49 391 4090-234
torsten.boehme(at)iff.fraunhofer.de

Vorteile auf einen Blick

Unsere Lösung erlaubt es Planern, schon in frühen Phasen fundierte Entscheidungen zu treffen und energieeffiziente Anlagenkonfigurationen gezielt zu optimieren.

Dank der hohen Flexibilität und Interaktivität können unterschiedliche Szenarien einfach durchgespielt werden – für eine nachhaltigere und wirtschaftlichere Planung.

  • Reduzierung des Energieverbrauchs

  • Senkung der Betriebskosten

  • Schnellere und effizientere Bewertung von Planungsvarianten

Weitere Projekte

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BORN Senf & Feinkost

Klima­neutralität als Mission. Nachhaltigkeit bei BORN & Develey

Auf dem Weg in die Zukunft: Wie BORN Senf & Feinkost am Standort Erfurt klimaneutral produzieren kann

Nachhaltigkeit in der DNA

Tradition trifft Verantwortung

Das Thema Nachhaltigkeit liegt BORN als 100-prozentigem Tochterunternehmen des bayerischen Familienunternehmens Develey Senf & Feinkost in der DNA. Bereits 2008 hat sich Develey zum Ziel gesetzt, vollständig klimaneutral zu werden. Dazu wurden in der Gruppe an allen Standorten die Treibhausgasemissionen erfasst und durch effektive Maßnahmen bereits stark reduziert. Der verbleibende Rest wird bisher durch Zertifikate kompensiert. Develey, als Erfinder des süßen Senfs, ist dabei nicht nur Senfliebhabern ein Begriff. Das Traditionsunternehmen produziert an 15 Standorten in Europa und in den USA ganz unterschiedliche Senf- und Feinkostprodukte.

Ein traditionsreicher Standort
mit Zukunft

BORN Senf & Feinkost produziert ebenfalls traditionell seit über 200 Jahren erfolgreich verschiedene Senf- und Feinkost-Spezialitäten in der Mitte Thüringens. Am Produktionsstandort in Erfurt soll weiter ausgebaut werden.

„In Erfurt möchten wir zukünftig aus eigener Kraft klimaneutral werden und auf die Kompensation verzichten können.“

Thomas Heinz –
Geschäftsführer der Thüringer Born Senf & Feinkost GmbH

Eine genaue Analyse aller Energieverbräuche und ihrer Strukturen war auch hier der wichtigste Ausgangspunkt aller Überlegungen.

„Wir haben einen Partner gesucht, der über das Wissen und die Erfahrung verfügt, komplexe Energiestrukturen zu analysieren und entsprechende Maßnahmen daraus abzuleiten.“

Andreas Poschner –
Energie- und Umweltmanagementkoordinator bei der Thüringer BORN Senf & Feinkost GmbH

Der Standort wurde 2019 mit dem „Thüringer Energieeffizienzpreis“ und auch mit „Platin der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ honoriert.


Herausforderung ist hierbei, dass das neue BORN-Werk am Erfurter Kreuz mit effektiven energetischen Maßnahmen ausgestattet und gebaut wurde.

Ziel: Systematische Standortanalyse und wirtschaftliche Wege zur Klimaneutralität

Ziel: Systematische Standortanalyse und wirtschaft­liche Wege zur Klimaneutralität

Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IFF

Nun kamen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer IFF ins Spiel. Seit langem forschen sie an zukunftsfähigen Energielösungen, passenden Infrastrukturen und intelligenten Energiemanagementsystemen. Für Standortanalysen haben sie wissenschaftliche Methoden entwickelt, die belastbare, systematische Ergebnisse ermöglichen. BORN Senf & Feinkost beauftragte das Fraunhofer IFF damit, für den Produktionsstandort Erfurt mögliche Wege zur Klimaneutralität aufzuzeigen und diese auch wirtschaftlich darzustellen.

Im ersten Schritt haben die Forschenden das ganze Werk unter die Lupe genommen. Sie haben Energieerzeugung und -verbrauch analysiert und zukünftige Bedarfe ermittelt. Dazu haben sie sich tief in die energietechnische Situation des Werks eingearbeitet. Sie diskutierten Themen wie Wärmerückgewinnung, Regelungs- und Steuerungstechnik oder die Installation von weiteren Messgeräten und Sensoren, mit deren Hilfe noch mehr Effizienzpotenziale entdeckt und gehoben werden können.

Energieerzeugung und -verbrauch

Ermittlung zukünftiger Energiebedarfe

Untersuchung technischer Details

„Natürlich haben wir hier und da den Finger in die Wunde gelegt. Wir haben wissenschaftlich fundiert Daten ermittelt und den Handlungsbedarf konkret benannt. So konnten wir aufzeigen, welche Maßnahmen am Standort Erfurt nötig sind, um langfristig eine klimaneutrale Produktion zu erreichen.“ 

Marcus Kögler –
Projektleiter am Fraunhofer IFF

Szenarien für Zukunftstechnologien

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts war, Zukunftstechnologien zu beschreiben, die eine Klimaneutralität erst ermöglichen. Dazu wurden verschiedene Szenarien für den Einsatz von Windkraft und Photovoltaik erstellt. Dabei ging es um nichts weniger als eine Energiestrategie für die Zukunft des Standortes. All dies geschah immer mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit. So errechneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielweise, wieviel Solar- und/oder Windstrom eingekauft werden müsste, damit das Ziel eines vollständig klimaneutralen Standorts erreicht werden kann.


Bestehende Strukturen integrieren

Eine Herausforderung bei einer solchen umfassenden Standortbetrachtung besteht immer darin, die bestehenden Strukturen bestmöglich in das neue Konzept einzubinden. Als Beispiel kann man hier den Prozessdampf nennen. Dieser wird in der Produktion und in den Reinigungsprozessen benötigt. Die entsprechenden Anlagen können nicht einfach elektrifiziert werden, was aber ein wesentlicher Bestandteil eines zukunftsfähigen Energiekonzepts ist. „Dafür haben wir eine Lösung vorgeschlagen“, erklärt Projektleiter Marcus Kögler. „Man kann die Dampferzeugung klimaneutral gestalten, indem diese elektrifiziert und die vergleichbar hohen Potenziale des Dampfes zur Energiespeicherung mit nutzt.“

Weiterhin haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zahlreiche Optimierungsaufgaben betrachtet. Hier werteten sie die Daten aus der Vergangenheit aus und deckten Einsparpotenziale auf. Daraus leiteten sie Maßnahmen ab, die den Energieverbrauch in der Produktion optimieren.

„Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen können wir wesentlich effizienter produzieren. Ein geringerer absoluter Energieverbrauch wird sich aber wahrscheinlich nicht einstellen. Denn dieser hängt maßgeblich von der Produktionsmenge ab. Und diese steigt gegenwärtig und wird mit dem geplanten Ausbau unseres Standorts weiter zunehmen.“ – Thomas Heinz

Klimaneutralität am Standort

Wirtschaftlich tragfähig und zukunftsweisend

Im Ergebnis stellten die Fraunhofer-IFF-Forschenden fest, dass eine langfristige Klimaneutralität des Standortes wirtschaftlich darstellbar ist. Develey kann basierend auf den tiefgreifenden Analysen und fundierten Daten belastbare Entscheidungen für die Zukunft des Standortes treffen.

„Jetzt haben wir ein klares Bild, wie ein Weg in die klimaneutrale Produktion in Erfurt umgesetzt werden kann. Für unsere anderen Standorte in der Develey-Gruppe kann dies eine Blaupause sein“, so Andreas Poschner.

Dipl.-Ing. Marcus Kögler
Energiesysteme und Infrastrukturen
Kontaktdaten

Telefon +49 391 4090-356
marcus.koegler(at)iff.fraunhofer.de

Weitere Projekte

  • Standortentwicklung bei Knauf

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iDEAR

iDEAR
Roboter recyceln: Wie die Demontage von Elektroschrott automatisiert wird

Das Forschungsprojekt iDEAR zeigt, wie intelligente Robotik und datengetriebene Prozesse die Demontage von Elektroschrott revolutionieren.

Das Forschungsprojekt iDEAR zeigt, wie intelligente Robotik und datengetriebene Prozesse die Demontage von Elektroschrott revolutionieren.

Ein Blick ins Technikum – Die Geburtsstätte von iDEAR

Zwischen Werkbänken, Robotergreifarmen und hellen Computer-Bildschirmen herrscht konzentrierte Betriebsamkeit. Im Technikum des Fraunhofer IFF entsteht gerade etwas, das die Art und Weise, wie wir mit Elektroschrott umgehen, grundlegend verändern könnte. Der Name des seit 2023 laufenden Forschungsprojekts: iDEAR – Intelligente Demontage für Recycling und Remanufacturing.

Die Mission

Nichts Geringeres als die Automatisierung der Demontage von Altgeräten und damit von Prozessschritten, die bisher nur in Handarbeit erledigt werden können.

Das Problem

Millionen Tonnen Elektroschrott, ungenutzte Ressourcen

Jedes Jahr fallen weltweit Millionen Tonnen Elektroschrott an, alte Laptops, ausrangierte Kühlschränke, Smartphones, Router, Fernseher. Der Großteil davon landet in Hochtemperaturofen oder auf Deponien. Nur ein Bruchteil wird sinnvoll recycelt. In diesen Geräten stecken seltene Erden, Edelmetalle, Kupfer. Wertvolle Ressourcen, die verloren gehen. Gleichzeitig steigen die Rohstoffpreise und die geopolitischen Unsicherheiten rund um die Versorgung mit diesen kritischen Materialien nehmen weiter zu. Daneben fordern gesetzliche Anforderungen von der Industrie Altgeräte zu recyclen.

  • Nur ein Bruchteil des Elektroschrotts wird recycelt.

  • Wertvolle Rohstoffe wie seltene Erden, Kupfer, Gold gehen verloren.

  • Recyceln ist gesetzlich gefordert – aber kaum automatisiert.

Die Lösung

Intelligente Demontage statt Handarbeit

„Wir brauchen dringend neue Lösungen, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Stoffkreisläufe zu schließen. In Zeiten von Fachkräftemangel, strengeren Umweltauflagen und wachsendem Druck für nachhaltige Lösungen steht die Automatisierung auch aus ökonomischen Gründen in den Fokus.“

Dr. José Saenz –
Projektleiter im Projekt iDEAR am Fraunhofer IFF


roboter-demontage

iDEAR: Intelligente Demontage für eine nachhaltige Zukunft

Genau hier setzt iDEAR an. Statt mühsamer Handarbeit sollen in Zukunft Roboter Altgeräte auseinandernehmen. Doch ganz so einfach ist das nicht: „Die größte Herausforderung ist die hohe Varianz der Geräte“, erklärt Saenz. „Jedes Gerät ist anders, es gibt unzählige Modelle in ganz unterschiedlichen Gebrauchszuständen.“ Während klassische Automatisierung auf Wiederholung und Standardisierung setzt, erfordert iDEAR das Gegenteil: Anpassung, Kreativität – bisher die Domäne des Menschen.

Automatisierung bedeutet hier nicht Standardisierung, sondern hohe Flexibilität und adaptive Intelligenz.

Automatisierung bedeutet hier nicht Standardi­sierung, sondern hohe Flexibilität und adaptive Intelligenz.

Digitaler Zwilling als Basis

Alles beginnt mit einer individuellen Befundung. Kamerasysteme erfassen das Gerät, analysieren, wo Schrauben sitzen, ob sie verrostet oder beschädigt sind, ob Bauteile fehlen oder locker sind. Mithilfe von KI werden diese Informationen interpretiert. Daraus entsteht ein digitaler Zwilling des Produkts. Er ist die Basis für alle folgenden Schritte.

Die Daten fließen in die sogenannte Demontage­sequenz, eine strukturierte Abfolge von Arbeitsschritten, angepasst an das jeweilige Gerät. Einzelne Schritte wie „Deckel abnehmen“, „Mainboard entnehmen“ oder „Schraube lösen“ werden in Robotik-Skills übersetzt. Ein Roboter greift nach dem richtigen Werkzeug, entfernt eine Schraube, hebt vorsichtig das Gehäuse ab und legt jedes Bauteil sortiert ab. Klingt simpel, ist aber hochkomplex.

Kamerasysteme analysieren das Gerät

KI erzeugt digitalen Zwilling

Planung individueller Demontagesequenzen

Umsetzung durch robotische Skills

Was Roboter lernen müssen: Greifen, reagieren, dazulernen

Denn viele Aufgaben, wie die Entnahme empfindlicher Bauteile, erfordern adaptive Strategien. Dafür setzen die Forschenden auf Methoden wie Reinforcement Learning und Imitation Learning. Der Roboter lernt, wie er mit unterschiedlichen Situationen umgehen kann, ähnlich einem Menschen, der mit wachsender Erfahrung immer geschickter wird.

Das Gehirn des Systems: Die iDEAR-Datenplattform

Um auf die produktbezogenen Daten durchgängig und konsistent in allen Teilprozessen zugreifen zu können, wird eine Datenplattform aufgebaut, mit der produkt- und anlagenbezogene Daten in Form standardisierter digitaler Zwillinge (sog. Verwaltungsschalen) erfasst und verfügbar gemacht werden. Dieser Demontage-Hub ist das Herzstück von iDEAR. Auf der Plattform laufen alle Informationen zu Geräten, Demontageprozessen und Robotik-Skills zusammen. Das System speichert nicht nur die aktuelle Demontage, sondern lernt mit jeder neuen. So entsteht eine wachsende Wissensbasis, auf die auch zukünftig bei ähnlichen Geräten zurückgegriffen werden kann.

Ein Beispiel

Wird ein PC-Modell erfolgreich zerlegt, kann das System beim nächsten Gerät desselben Typs den Ablauf optimieren, dann aber schneller, effizienter, vielleicht mit einem anderen Werkzeug oder in anderer Reihenfolge. So entsteht ein dynamisches System, das sich stetig verbessert.

Erste Meilensteine

Erfolgreiche Automatisierung von Teilprozessen

Für die Erprobung und Demonstration konzentrieren sich die Forschenden zunächst auf die Demontage von Desktop-PCs. Diese stellen einen relevanten Teil des Elektroschrotts dar, sind relativ kompakt und enthalten wertvolle Materialien wie Aluminium und Kupfer. Dafür wurden entsprechende technische Versuchsaufbauten und Demonstratoren entwickelt, mit denen die Befundung und Demontage sowie die datentechnische Verkettung dieser Prozesse getestet und weiterentwickelt werden. Die erlernten Lösungsstrategien wurden dafür in eine Industrierobotersteuerung integriert. „Wir setzen Methoden des maschinellen Lernens ein für Teilaufgaben, die nur schwer mit analytischen Methoden umzusetzen sind“, erklärt Saenz das Vorgehen.

Mit Kamerasystem, KI und Roboterarm konnten erste Meilensteine erreicht werden: das Öffnen des Gehäuses, das Lösen und Entnehmen des Mainboards. Diese Prozesse, die bislang in Handarbeit erledigt wurden, konnten an Teildemonstratoren automatisiert werden. So war die adaptive Entnahme des Mainboards bereits erfolgreich. Der Roboter erkennt den Zustand, plant die Greifbewegung und reagiert auf Widerstand.

Ein weiterer Baustein ist die Bewertung der Demontagetiefe. Denn nicht jedes Bauteil lohnt sich zu entfernen. Die Forschenden entwickeln Methoden, um wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Basis hierfür können aktuelle Rohstoffpreise oder der Zustand des Geräts sein. So wird entschieden, ob ein Gerät komplett zerlegt oder nur bestimmte Komponenten zurückgewonnen werden.

Entscheidungshilfe per Datenanalyse:

  • Rohstoffpreise
  • Gerätezustand
  • Umweltaspekte

Die entwickelten Methoden sollen in die Praxis überführt werden. Sie können in Recyclingzentren oder bei Herstellern, die Remanufacturing betreiben, eingesetzt werden.

Der Weg in die Praxis

iDEAR für Industrie und Recyclingzentren

Die entwickelten Methoden sollen in die Praxis überführt werden. Sie können in Recyclingzentren oder bei Herstellern, die Remanufacturing betreiben, eingesetzt werden.

  • Technologien für breite Anwendung und Wachstum

    Unser Ziel ist es, Technologien zu schaffen, die skalierbar sind und in verschiedensten Anwendungsszenarien effizient eingesetzt werden können.

  • Geringer Engineeringaufwand

    Das System soll möglichst viele Gerätetypen mit möglichst geringem Engineeringaufwand bearbeiten können.

  • Transfer in industrielle Anwendungen

    Die entwickelten iDEAR-Lösungen sollen bei entsprechender Technologiereife im realen Umfeld bei Industrieunternehmen erprobt und weiterentwickelt werden.

„Trotz der Erfolge stehen wir noch am Anfang“, sagt Dr. José Saenz, „aber die Ergebnisse sind vielversprechend. Wenn wir es schaffen, die Technologie zu skalieren.“

Dr. José Saenz
Robotersysteme, Gruppenleiter Assistenz-, Service- und Industrieroboter
Kontaktdaten

Telefon +49 391 4090-227
jose.saenz(at)iff.fraunhofer.de

Weitere Projekte

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  • Frühzeitige energetische Optimierung von Anlagenkonzepten

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  • AutoDrohne

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  • Qualitätsprüfung von Gebäudemodulen

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AASFusion

AASFusion –
Plug und Play für Sensorik

Digitale Zwillinge und standardisierte Schnittstellen ebnen den Weg zur skalierbaren Industrie 4.0

Digitale Brücken statt Datensilos: Wie das Fraunhofer IFF die Industrie vernetzt

Der Weg zur vernetzten Produktion ist oft steinig. Unterschiedliche Systeme, inkompatible Daten und hoher Integrationsaufwand bremsen viele Industrieprojekte aus. Ein Forschungsteam des Fraunhofer IFF zeigt mit der AirBOX und der Verwaltungsschale (AAS), wie sich digitale Zwillinge und standardisierte Schnittstellen zu einer skalierbaren, zukunftsfähigen Lösung verbinden lassen.

Damit Industrie 4.0 Wirklichkeit werden kann, bedarf es einer konsequenten durchgängigen Nutzung von Daten. Für viele Industrieunternehmen ist dies jedoch ein Problem. Wie können Daten reibungslos und standardisiert über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine oder Anlage hinweg vernetzt werden?

Die Anforderungen an moderne industrielle Systeme sind hoch: Maschinen müssen flexibel anpassbar, vernetzt und intelligent steuerbar sein. Doch gerade hier scheitern viele IoT-Projekte. Rund 75 % überschreiten laut Marktanalysen ihre Zeit- und Budgetziele oder scheitern ganz. Die Gründe sind vielfältig: unklare Anwendungsfälle, Sicherheitsprobleme, vor allem aber mangelnde Skalierbarkeit und Integrationsfähigkeit.

Das Ziel

Ziel war es, Planer und Produzenten über ihre individuellen Softwarelösungen hinweg digital zu vernetzen und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts.


Einheit durch Standard: Verwaltungs­schale und AirBox als Lösung

Genau hier setzt ein Forschungsprojekt des Fraunhofer IFF an. Ziel war es, Planer und Produzenten über ihre individuellen Softwarelösungen hinweg digital zu vernetzen und zwar über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Dreh- und Angelpunkt ist die sogenannte Verwaltungsschale oder Asset Administration Shell (AAS): ein standardisierter digitaler Zwilling, der Informationen zu Maschinen, Sensoren und Komponenten in einer einheitlichen, strukturierten Form bereitstellt.

„Diese Verwaltungsschale wirkt wie ein universeller Übersetzer zwischen unterschiedlichsten Systemen. Jeder Datenpunkt, zum Beispiel Temperaturwert, Betriebsstatus oder Wartungshistorie, ist eindeutig definiert und über standardisierte Schnittstellen abrufbar“, erklärt Johannes Mäule, Projektleiter am Fraunhofer IFF. Damit wird die AAS zu einem zentralen Baustein in der digitalen Produktion. „Sie erleichtert den Datenaustausch, reduziert Integrationsaufwände und sorgt für Klarheit in einem zunehmend unübersichtlichen digitalen Umfeld“, so der Wissenschaftler.

Im Mittelpunkt des Projekts „AAS Fusion“ stand ein am Fraunhofer IFF entwickeltes Gerät: die AirBOX. Mit ihr können Sensordaten in der Produktion gesammelt und übertragen werden, auch wenn die Maschinen oder Anlagen bisher nicht digital vernetzt waren. An die intelligente Box lassen sich mehrere Sensoren anschließen, die automatisch eingerichtet werden. Die Sensorauswahl beinhaltet alle typischen industriellen Sensoren. Das Ganze funktioniert ohne in die Produktionsprozesse einzugreifen.

Damit die Integration nicht an inkompatiblen Schnittstellen scheitert, wurde die AirBOX mit einer Verwaltungsschale Typ 2 ausgestattet.

Damit die Integration nicht an inkompatiblen Schnittstellen scheitert, wurde die AirBOX mit einer Verwaltungsschale Typ 2 ausgestattet.

Diese stellt sicher, dass die Fähigkeiten und Konfiguration jeder einzelnen AirBOX automatisch erfasst und über eine standardisierte API bereitgestellt werden. Das bedeutet, welche Sensoren angeschlossen sind, welche Daten erfasst werden und in welchem Format, all diese Informationen werden automatisch und nach einheitlichen Standards erfasst. So können Maschinen und Systeme nicht nur Daten lesen, sondern sie auch verstehen und sinnvoll weiterverarbeiten.

Reduzierter Integrationsaufwand

Durch die standardisierte Datenstruktur wird der Aufwand für die Integration externer Sensoren erheblich reduziert.

Automatische Einbindung neuer Sensoren

Neue Sensoren können über die Verwaltungsschale automatisch eingebunden werden, ohne dass jedes Gerät einzeln angepasst und konfiguriert werden muss.

Zeitersparnis

Die automatische Integration spart wertvolle Zeit.

Bessere Skalierbarkeit

Die Lösung ermöglicht eine deutlich bessere Skalierbarkeit für wachsende Systeme.

Wettbewerbsvorteil durch Effizienz und Schnelligkeit

In Zeiten hoher Anforderungen an Effizienz und Geschwindigkeit kann diese Lösung ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg sein.

Mit AAS Fusion zur vernetzten Industrie 4.0

Mit dem Projekt „AAS Fusion“ bietet das Fraunhofer IFF einen praxisnahen Beitrag zur digitalen Transformation in der Industrie. Die Verwaltungsschale ist dabei weit mehr als ein IT-Tool. Sie ist die Grundlage für eine neue Qualität der Zusammenarbeit, in der Menschen, Maschinen und Softwarelösungen effizient miteinander kommunizieren.

Einfach. Verständlich. Sofort einsatzbereit.

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) profitieren besonders von unserer Lösung – auch ohne große IT-Abteilungen oder eigene Entwicklerteams.

  • Intuitive Integration

    Sensoren und Maschinen lassen sich einmal einbinden und sind sofort nutzbar.

  • Klare Datenstrukturen

    Alle Daten sind eindeutig verständlich – für jedes System im Netzwerk.

  • Ohne zusätzlichen Aufwand

    Keine aufwändige Konfiguration, keine Spezialkenntnisse erforderlich – Einbindung leicht gemacht.

Zukunftsperspektive

Offene Datenräume für vernetzte Wertschöpfung

Die Vision der Forschenden geht weit über einzelne Produktionsprozesse hinaus. In Zukunft könnten kollaborative Datenökosysteme sowie ein Digital Thread (digitale Durchgängigkeit) auf der Basis standardisierter Datenräume entstehen, in denen alle Beteiligten entlang einer Wertschöpfungskette oder sogar dem gesamten Lebenszyklus Zugriff auf relevante, geprüfte und aktuelle Daten haben. Von der Produktidee, Design, Engineering, Herstellung, Lieferung über den Betrieb bis zur Wiederverwertung am Ende des Lebenszyklus basiert jeder Schritt auf verlässlichen, vernetzten Informationen.

„Die Verwaltungsschale ist ein Schlüssel zur Zukunft der Industrie. Sie ermöglicht, was bisher oft an Schnittstellen gescheitert ist: eine durchgängige, skalierbare und sichere Digitalisierung von Anfang bis Ende.“

Johannes Mäule –
Projektleiter am Fraunhofer IFF

Damit könnte ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet werden, dass nicht nur Projekte gelingen, sondern die Industrie als Ganzes einen weiteren Schritt in Richtung Industrie 4.0 geht.

Johannes Mäule
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Menschzentrierte Arbeitssysteme
Kontaktdaten

Telefon 49 391 4090-820

johannes.maeule(at)iff.fraunhofer.de

Gefördert wurde das Projekt durch:
Sachsen-Anhalt, Ministerium für Wirtschaft und Technologie, FKZ I 256

Weitere Projekte

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